Vorschau Sonderausstellungen

150 Jahre Grubenkatastrophe" Neue Fundgrube" in Lugau

29. April bis 30. Juni 2017

 

„… denn man sah nichts als Elend …“ – Sonderschau zum 150. Jahrestag der Grubenkatastrophe auf der „Neuen Fundgrube“ in Lugau gedenkt der Opfer in Darstellung von Ursache und Wirkung

Ein furchtbarer Schreckensruf durcheilte am 1. Juli 1867 die sommerlichen Fluren des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers: auf der „Neuen Fundgrube“ in Lugau, dem einzigen Schacht des Zwickau-Lugauer Steinkohlenbauvereins, hatte sich ein Schachtbruch ereignet – 101 Bergleute waren untertage eingeschlossen! „Augenzeugen können nicht beschreiben, wie herzzerreißend das Jammern und Wehklagen der Hinterlassenen gewesen, die an dem tiefsten aller Gräber sich zusammenfanden.“, überliefert uns der Lugauer Chronist Unger. Alle Versuche, die bei rund 430 Metern Teufe Eingeschlossenen zu erreichen, mußten jedoch erfolglos bleiben. So sah man sich gezwungen, die Rettungsarbeiten in Absprache mit dem Oberbergamt am 11. Juli einzustellen, zumal die Gefahren für die Rettungsmannschaften durch dauernde Nachbrüche erheblich und die weiteren hohen Kosten bei der Aussichtslosigkeit, die Bergarbeiter lebend bergen zu können, nicht mehr nutzbringend waren. Gerade letzteres sollte sich im Zuge der Wiederaufgewältigung bewahrheiten, fand man doch die mitgeführten Ölhörner der Verunglückten noch teilweise gefüllt, so daß durch den Wetterabschluß der Tod recht bald eingetreten sein mußte. Den Opfern, aber auch ihren Hinterbliebenen, zu denen 45 Frauen und 137 Kinder gehörten, konnte dies nur ein schwacher Trost sein, zumal die Leipziger Illustrirte Zeitung am 3. August 1867 feststellte: „Man sagt, Sparsamkeit am falschen Orte, hervorgerufen durch jene alles hintansetzende Gewinnsucht, welche die traurige Triebfeder der Speculationswuth unserer Tage ist, habe jenes entsetzliche Unglück verschuldet. Wir wollen weder untersuchen, noch verurtheilen; … “. Weiter aber heißt es auch: „Sammlungen zur Unterstützung der hinterlassenen Familien sind von allen Seiten aufs bereitwilligste ins Leben gerufen, um so wenigstens an den Ueberlebenden nach Menschenkräften gut zu machen, was vielleicht von gewisser Seite an denen verbrochen wurde, die unter den unsäglichsten Qualen den letzten Seufzer aushauchten.“ Bis nach Rußland und in die Vereinigten Staaten von Amerika drang der Hilferuf, dessen Widerhall zurück nach Lugau klang. Die dem Innenministerium unterstellten Gelder halfen noch bis in das 20. Jahrhundert, die Folgen zu lindern.

Die Bergarbeiter aber – zusätzlich bestärkt nach dem aus gleicher Ursache hervorgerufenen Zusammenbruch des Otto-Schachtes in Niederwürschnitz 1868 – erkannten den Zeitpunkt als richtig, über den kulturellen, sozialen und nicht zuletzt administrativ-politischen Bannkreis des Kohlengebietes hinaus auf die Verhältnisse ihres Daseins aufmerksam zu machen und Schlüsse zu ziehen. Daher muß der Brief Lugauer Bergarbeiter an den Generalrat der Internationalen Arbeiter-Assoziation in London „… zu Händen des Herrn Carl Marx“ ebenso vor diesem Hintergrund gesehen werden, wie die Gründung der Gewerksgenossenschaft deutscher Berg- und Hüttenarbeiter als erste deutsche Bergarbeitergewerkschaft 1869.

Eine weitere unmittelbare Forderung betraf die berggesetzliche Festschreibung des unbedingten Vorhandenseins eines zweiten Tageausganges bei jedem Bergwerk, um künftig einen solche Katastrophe weitgehend verhindern zu können. Auch sie wurde erreicht – doch um welchen Preis?

Die Sonderschau möchte daher sowohl den Opfern gedenken, als auch die Hintergründe beleuchten und vielgestaltige Folgen nachzeichnen. Zu sehen sein werden unter anderem originale Werkzeuge, die bei der Wiederaufnahme des Schachtes 1872 aufgefunden wurden.

INDUSTRIELandschaf(f)t - Westsächsische Industriegeschichte im Spiegel der Kunst -

9. Juni bis 5. November 2017

 

Zwischen dem 9. Juni und dem 5. November zeigt das Bergbaumuseum Oelsnitz/ Erzgebirge zusammen mit der Sammlung Erzgebirgische Landschaftskunst eine Doppelausstellung zum Thema „INDUSTRIELandschaf(f)t – Westsächsische Industriegeschichte im Spiegel der Kunst“. Hauptaugenmerk liegt auf dem gesamten westsächsischen Raum mit den Städten Chemnitz, Zwickau, Plauen, dem Vogtland und dem Westerzgebirge als das klassische sächsische Industrierevier, welches die Keimzelle für das hochindustrialisierte Sachsen bildete.

Die landschaftsverändernde und -prägende (Aus)Wirkung des Bergbaues soll dabei nur ein Teil sein. Vielmehr zeigen wir, dass der Mensch und die Landschaft im scheinbaren Widerstreit miteinander lebten und leben – die Kraft und Gewalt der Produktion, Nutzbarmachung und Verwertung von Ressourcen auf der einen Seite und die damit einhergehende Gestaltung des Industrielebensraumes auf der anderen, die teilweise noch heute erkennbar, teilweise nur noch erahnbar ist.

Die Ausstellung ist sowohl im Bergbaumuseum als auch auf Schloß Schlettau zu sehen. Wir laden Sie schon jetzt ein, sich an diesen so scheinbar unterschiedlichen Orten die Ausstellung anzusehen und die Wechselwirkung zwischen Industrie und Landschaft im Fokus bildkünstlerischer Arbeiten auf sich wirken zu lassen.

Nähere Informationen folgen!