72 Porträts von Menschen, die dem sächsischen Steinkohlenbergbau seit Beginn bis heute verbunden waren und sind, sind in einer Deckeninstallation zu sehen.

Objekt des Monats November 2020

„Kumpelgalerie“

Was haben Gerd Wimmer, Manfred Bähr, Willi Ernst Schwarz, Hans Gustav Wolff, Adalbert Weiß und Ernst Paternoga gemeinsam? – Sie haben alle früher im sächsischen Steinkohlenbergbau gearbeitet und sind nun in der „Kumpelgalerie“ am Schauplatz KohleBoom. der 4. Sächsischen Landesausstellung vertreten. Die „Kumpelgalerie“, das Objekt dieses Monats, ist kein einzelnes Exponat wie sonst. Es handelt sich um einen Bereich der Ausstellung, der die Personen des sächsischen Steinkohlenbergbaus thematisiert – seien es die Bergarbeiter, bekannte Persönlichkeiten oder die Menschen, die sich um das Erbe des Bergbaus kümmern.

Das Team des Bergbaumuseums Oelsnitz/Erzgebirge erarbeitet derzeit eine neue Dauerausstellung. Dabei sollen die Personen des sächsischen Steinkohlenbergbaus mehr im Fokus stehen. Hierzu gehören neben bekannten Persönlichkeiten auch die zahlreichen Bergleute und Angestellten, die im Schacht gearbeitet haben. Es ist geplant, diese mittels Fotografien und den dazugehörigen Geschichten zu präsentieren. Das Museumsteam will hierbei eine weite Bandbreite an Bergleuten mit den verschiedensten Berufen und den unterschiedlichsten Arbeitsorten berücksichtigen.
Doch bei den Recherchen in der eigenen Sammlung stießen die Kuratorinnen und Kuratoren auf ein Problem: Das Museum besitzt zwar sehr viele Fotografien, auf denen Bergarbeiter abgebildet sind, meist sind diese jedoch nicht beschriftet, sodass sich kaum mehr nachverfolgen lässt, wer auf den Abbildungen zu sehen ist. Deswegen wurde im Mai vergangenen Jahres der Aufruf in der Zeitung „Freie Presse“ gestartet, dem Bergbaumuseum Fotografien von Personen, die im Bergbau gearbeitet haben, mit Lebensdaten und den dazugehörigen Geschichten zur Verfügung zu stellen. Die Resonanz war sehr groß: Es kamen sowohl Bergleute als auch Angehörige verstorbener Bergarbeiter dem Aufruf nach. Neben Fotografien wurden dem Museum teilweise auch Dokumente, wie beispielweise Arbeitsbücher oder Zeugnisse zur Verfügung gestellt.

Spannend ist, wie unterschiedlich und vielfältig die Lebensgeschichten zu den Fotografien und Dokumenten sind. So verbrachte Willi Ernst Schwarz beispielsweise sein ganzes Berufsleben im Bergbau: Er begann 1906 seine Lehre als Bergmann im Deutschlandschacht und arbeitete später als Reviersteiger und Sicherheitsinspektor, bis er 1952 in den Ruhestand ging. Hans Gustav Wolff hatte zum Beispiel einen ganz anderen Lebensweg: Er war ausgebildeter Möbeltischler und arbeitete als Holzschneider am Kaiserin-Augusta-Schacht. Wegen einer unfallbedingten Verletzung musste er seine Tätigkeit dort nach über 20 Jahren aufgeben. Wolff, der neben seiner Arbeit im Bergbau bereits teils als Fotograf tätig war, übte diesen Beruf nun in Vollzeit in Niederwürschnitz aus.

Neben den beiden vorgestellten können die Besucherinnen und Besucher noch viele weitere Personen des Steinkohlenbergbaus am Schauplatz KohleBoom. der 4. Sächsischen Landesausstellung kennenlernen. Im Prolog der Ausstellung sind 72 Porträts von Menschen, die dem sächsischen Steinkohlenbergbau seit Beginn bis heute verbunden waren und sind, in einer Deckeninstallation zu sehen. Ein Teil der abgebildeten Personen wird in der weiteren Ausstellung eine wichtige Rolle als Zeitzeugen spielen. Es handelt sich teilweise auch um Fotografien aus dem Bestand des Museums, bei denen die Dargestellten unbekannt sind. Bei Letzteren konnte im Zuge der Recherche für die aktuelle Ausstellung manchmal zumindest der Name herausgefunden werden.
Zudem werden in einem digitalen Blätterkatalog 28 ausgewählte Bergleute präsentiert. Diese werden jeweils durch eine Fotografie und einen kurzen Lebenslauf dargestellt. Neben den Bergarbeitern sind in diesem Ausstellungsbereich auch bekannte Persönlichkeiten wie beispielsweise Karl Marx, Richard Hartmann und Otto Lilienthal sowie ihre Beziehung zum sächsischen Steinkohlenbergbau zu finden.

Aufgrund der aktuellen Verordnung zum Schutz vor dem Coronavirus bleibt der Schauplatz KohleBoom. nach derzeitigem Stand bis zum 30. November geschlossen. Die „Kumpelgalerie“ wird auf jedem Fall weitergeführt und wird auch Teil der neuen Dauerausstellung des Bergbaumuseums sein, die aktuell erarbeitet und 2023 eröffnet wird. Auch, wenn in ihr bereits viele Personen, die im Steinkohlebergbau gearbeitet haben, verzeichnet sind, so ist die „Kumpelgalerie“ nach wie vor stark ausbaufähig – gerade bei den im Bergbau tätigen Frauen herrscht aktuell eine große Lücke. Deswegen sammelt das Museum weiterhin Fotografien von Personen, die im sächsischen Steinkohlenbergbau tätig waren, sowie die dazugehörigen Geschichten und freut sich über jeden Neuzugang in der „Kumpelgalerie“.

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