Foto: Jan Färber

Objekt des Monats Dezember 2020

„Mineralienschrank mit Vitrinenaufsatz“

Ende 19. / Anfang 20.Jh.

In neuem Glanz erstrahlt das Objekt des Monats Dezember, ein Mineralienschrank des Schauplatzes KohleBoom. der 4. Sächsischen Landesausstellung. Der über 100 Jahre alte Schrank kam erst kurz vor Ausstellungsbeginn vom Restaurator zurück ins Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge.  

Das Möbelstück wurde dem Museum 1989 von der Arbeitsgruppe Zwickauer Revier übergeben. Im Schrank befanden sich Steinkohlenproben aus der Abschlussbeprobung des Zwickauer Reviers.

In den 1970er Jahren war absehbar, dass der Steinkohlenbergbau in den kommenden Jahren eingestellt und die Schächte geschlossen werden. Um die Beschaffenheit der dann nicht mehr zugänglichen Flöze für die Nachwelt zu dokumentieren, taten sich Geologen, Bergleute sowie Markscheider zur Arbeitsgruppe Zwickauer Revier zusammen. In ehrenamtlicher Tätigkeit entnahmen sie gemeinsam mit Praktikanten an den Wochenenden Proben aus den Schächten der Zwickauer Steinkohlenwerke und dokumentierten diese.

Aufbewahrt wurden diese Proben schließlich in dem Mineralienschrank, den das Museumsteam nun als Objekt des Monats ausgewählt hat. Dieser Schrank wurde jedoch ursprünglich nicht zur Aufbewahrung der Proben gebaut. Er ist um einiges älter und wurde Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts hergestellt. Über seine Geschichte, bevor er ins Bergbaumuseum kam, ist jedoch bisher wenig bekannt.

Die Herkunft des Mineralienschrankes ist noch nicht abschließend geklärt. Bisher nahm man an, dass er ursprünglich in der Zwickauer Bergschule stand. Hier wurden von 1862 bis 1965 Bergleute berufsbegleitend weitergebildet sowie zeitweise auch Beamte für den Steinkohlen-, Braunkohlen- und Erzbergbau sowie für die Veredelung der Steinkohlen ausgebildet. Neueste Erkenntnisse legen jedoch nahe, dass das Möbelstück entgegen der bisherigen Annahme aus dem Naturkundemuseum Berlin stammt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bergbaumuseums werden weitere Nachforschungen anstellen, um dem Rätsel der Herkunft des Objekts des Monats endgültig zu lösen.

Als der Schrank um 1989 ins Museum kam, befand er sich in keinem guten Zustand: Es fehlten zwei der drei Türen. Zudem zeigten sich weitere Mängel: So war beispielsweise der Sockel stark beschädigt und die Profile existierten teilweise nicht mehr. Spuren einer Überarbeitung lassen darauf schließen, dass wohl in den 1950er Jahren die Füllung der noch vorhandenen Tür sowie die Rückwände erneuert und das Möbelstück angestrichen wurde. Eine Restaurierung machte sich nun, nachdem das Objekt weitere 30 Jahre im Depot des Bergbaumuseums stand, dringend erforderlich. Diese konnte 2020 durch eine Förderung der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen realisiert werden. Der Mineralienschrank wurde samt Aufsatz fachgerecht gereinigt und zum Schutz mit einem Pflegewachsöl behandelt. Es waren noch zwei baugleiche Türen aus dem Fragment eines anderen Möbelstücks vorhanden. Diese wurden an den Schrank angeglichen und eingesetzt. Auch die übrigen fehlenden Teile konnten ersetzt werden. Zudem lassen sich die Türen und Schübe nun wieder problemlos öffnen und schließen. Die Kohleproben, die sich im Schrank befanden, wurden aus konservatorischen Gründen entnommen, umgelagert und einzeln inventarisiert.

Während der 4. Sächsischen Landesausstellung war der Mineralienschrank in der Ausstellungsabteilung „Bergmännisches Bildungswesen in Sachsen“ des Schauplatzes KohleBoom. zu sehen. Gezeigt wurden hierin verschiedene Mineralien und Steinkohlenproben aus dem Zwickauer sowie dem Lugau-Oelsnitzer Revier. Diese Ausstellungsabteilung vermittelte erstmals überhaupt in einer Ausstellung zum sächsischen Steinkohlenbergbau die Ausbildung der Bergbeamten und Bergleute, die dafür entstandenen Bildungseinrichtungen und bedeutende Wissenschaftler, die Grundlagen für die Ausbildung legten.

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