Objekt des Monats Februar 2021

Fotografie des Carl-Schachts

um 1857

Das Objekt des Monats Februar sticht aufgrund seines Alters besonders hervor: Denn die Aufnahme ist eine der beiden ältesten erhaltenen Fotografien des sächsischen Steinkohlenbergbaus und entstand kurz vor oder unmittelbar 1857. Das Objekt des Monats stammt aus der Fotosammlung des Bergbaumuseums Oelsnitz/Erzgebirge und zeigt den Carl-Schacht in Lugau.

 

Die Fotografie dokumentiert die Anfänge des Lugau Oelsnitzer-Steinkohlenreviers und ist somit ein wichtiges Zeugnis der Geschichte des sächsischen Steinkohlenbergbaus. Es gab bereits einige kleinere Schächte im Lugau-Oelsnitzer-Revier, bevor der Carl-Schacht gebaut wurde. Dieser ist jedoch das erste große Steinkohlenwerk in Lugau. Der Niederwürschnitzer Steinkohlenbauverein errichtete die Schachtanlage Mitte des 19. Jahrhunderts auf dem Grund des Gutsbesitzers Carl Herold, der der Namengeber des Schachts war. Die Tagesanlage bestand aus einen Treibe-, einem Maschinen- und einem Kesselhaus. Im Vergleich mit den Gebäuden späterer Schächte wirkt sie klein und bescheiden. Für die damaligen Verhältnisse war der Carl-Schacht jedoch eine große und moderne Anlage. Die Steinkohlenförderung begann 1855 und dauerte fast 50 Jahre an. Im Mai 1903 wurde die letzte Schicht gefahren und noch in demselben Jahr startete die Verfüllung und der Abbruch des Schachts.

Ähnlich wie viele Fotografien kam auch das Objekt des Monats ohne weitere Angaben in die Fotothek des Bergbaumuseums, sodass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zunächst seine Hintergründe recherchieren mussten. Auch wenn der Urheber der Aufnahme weiterhin unbekannt bleibt, so gelang es, den Grund für die Fotografie zu entschlüsseln und sie zu datieren: Der Sammlungsleiter des Museums, Heino Neuber, entdeckte eine fast identische Abbildung des Carl-Schachts – einen Holzstich − in einer Ausgabe der in Leipzig erschienenen „IIllustrirten Zeitung“. Diese wurde im Rahmen eines Artikels über den sächsischen Steinkohlenbergbau im Juli 1857 veröffentlicht. Das Zeitungsbild gleicht der im Bergbaumuseum vorhandenen Fotografie sehr. Der einzige Unterschied: Bei der Darstellung in der Zeitung fehlt das Kesselhaus. Es wurde vermutlich aus Platzgründen weggelassen. Aus diesen beinahe identischen Abbildungen kann geschlossen werden, dass die Fotografie wohl als Vorbild für den Holzstich aufgenommen wurde und deswegen kurz vor oder unmittelbar 1857 entstand.

Das Objekt des Monats ist Teil der Fotosammlung des Bergbaumuseums. Diese umfasst sowohl einzelne Fotografien als auch Fotoalben und Negative. In letzter Zeit wurde die Sammlung um einige digitale Aufnahmen erweitert. Die Objekte kamen entweder einzeln, zusammen mit weiteren Exponaten oder auch als Konvolute in den Besitz des Museums. Die Aufnahmen dokumentieren die Geschichte des sächsischen Steinkohlenbergbaus, die einzelnen Abbaugebiete und die Bergbaunachsorge. Die Fotosammlung umfasst aktuell circa 15.000 Objekte und wird laufend erweitert.

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