Objekt des Monats März 2021

Schichtglocke des Deutschlandschachts I

um 1889

Das Läuten einer Glocke wird heutzutage meist mit Kirchenglocken assoziiert. Aber Glocken spielten auch im sächsischen Steinkohlenbergbau eine Rolle, wie das Objekt des Monats – die Schichtglocke des Deutschlandschachts I - belegt. Sie läutete zu Schichtbeginn und -ende, zeigte die Pausen der Tagebelegschaft an und war auch bei Begräbnissen zu hören. Inzwischen ist das Objekt des Monats verstummt und gehört dem Sammlungsbereich bergbauliche Kultur- und Alltagsgeschichte des Bergbaumuseums Oelsnitz/Erzgebirge an.

Auf ihr steht die Aufschrift „Glück auf Deutschland“. Dies ist wohl ein Bezug zu ihrem Einsatzort – dem Deutschlandschacht I im Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier. Sie hatte vermutlich am Seilscheibenstuhl ihren Platz, bevor sie an dem zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbauten Fördergerüst befestigt wurde. Unter der Aufschrift sind auf der Glocke zudem die Jahreszahlen 1872 und 1889 zu sehen. Es wäre denkbar, dass sich die erste Zahl auf den Beginn des Schachtes bezieht. Allerdings startete das Abteufen bereits 1871 – ein Jahr früher. Ob es sich hier um einen Fehler handelt oder die Jahreszahl 1872 eine andere Bedeutung hat, ist unklar. 1889 ging der Deutschlandschacht I von der Aktiengesellschaft „Steinkohlenbauverein Deutschland“ in den Besitz der neu konstituierten Gewerkschaft „Deutschland“ über. Auf dieses Ereignis weist wohl die Jahreszahl 1889 auf der Glocke hin.

Im oberen Bereich gibt die Schichtglocke mit einem Schriftzug Informationen zu ihrer Herstellung preis: „Gegossen von C. Albert Bierling in Dresden 1889“. Das Dresdner Familienunternehmen C. Albert Bierling war über Sachsen hinaus eine bedeutende Glocken- und Kunstgießerei. Es fertige mehrere hunderte (Kirchen)Glocken, aber goss auch Bronzedenkmale wie beispielsweise das Luther-Denkmal an der Dresdner Frauenkirche.

Die Schichtglocke des Deutschlandschachtes ist eines von circa 2.300 Objekten des Sammlungsbereichs bergbauliche Kultur- und Alltagsgeschichte des Bergbaumuseums. Dieser umfasst Exponate zu gesellschaftlich-kulturellen Aspekten des sächsischen Steinkohlenbergbaus und der Bergbaufolgeindustrien. Die Sammlung beinhaltet unter anderem Werke der Volks- und Laienkunst sowie Objekte der Traditionspflege, der Erinnerung und der Identifikation. Ebenso sind persönliche Gegenstände der Ausrüstung wie beispielsweise Kleidung und Trinkflaschen vertreten. Die Sammlung wird laufend erweitert.

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