Foto: Bergbaumuseum

Objekt des Monats April

Schachthut für einen Beamten des Erzgebirgischen Steinkohlen-Aktienvereins zu Zwickau

Verfügten auch die Planitzer Bergknappen bereits am Ende des 18. Jahrhun-derts über eine Köhleruniform, so ging doch die Festkleidung der Kohlenreviere Zwickau und Lugau-Oelsnitz aus den Traditionslinien des sächsischen Erzbergbaues hervor.
Ausgehend von jahrhundertealten Grundlagen, die gerade durch Zuzug von Trägern dieser Kultur aus den Erzbergbaugebieten in die im Zuge der Industrialisierung prosperierenden Steinkohlengebiete eingeführt und gepflegt wurde, ist durch eigene Festlegungen, verbindlich gewordene Besonderheiten und Übernahmen aus der Mode der Zeit eine eigenständige bergmännische Paradekleidung entstanden. Festgelegt hat man sie erstmals durch die „Einkleidungs- und Paradedienst-Ordnung für den Knappschaftsverband auf den Werken des Erzgebirgischen Steinkohlen-Actienvereins zu Zwickau“ im Jahre 1854. Ausgehend vom Reglement für die Dienstkleidung beim Staatsbergbau- und Hüttenwesen gab man mit „einer dem bergmännischen Berufe entsprechenden uniformmäßigen Paradekleidung“ zugleich eine sinnfällige Begriffsbestimmung für die verordnete und über eine Einkleidungskasse durch die Träger selbst finanzierte Standeskleidung. Diente sie doch auch hier der Sichtbarmachung von Hierarchie und Subordination (Unterordnung).

Deutlich werden am Schachthut die typische Farbkombination für die erzgebirgischen Kohlenreviere von Schwarz mit Silber und die durchgängige Verwendung der Meißnischen Mauerkrone an den Kopfbedeckungen aller Dienstgrade und Gewerke. Vorn ist das Abzeichen des Werkes angebracht, seitlich die sächsische Kokarde, wie sie seit 1827 vorgeschrieben war. Der Stutz zeigt die Werksfarben smalteblau und schwarz.

Auch wenn vor dem Hintergrund der sozialen Zustände im sächsischen Stein-kohlenbergbau gerade im Hinblick auf die von den Knappschaften getragene bergmännische Kultur immanente Widersprüche den Entstehungsvorgang der Paradekleidung begleiteten, haben doch die Bergleute ihrer Standeskleidung einen hohen Wert beigemessen und verteidigten sie gegen äußere Einflüsse.

Das frühe, aufwändig ausgestattete Stück belegt diese Bedeutung eindrücklich.

Material: Filz (Körper), Samt, Litze, Messing (versilbert), Eisendraht, Straußen- und Hahnenfedern (teilweise gefärbt)
um 1860

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