Foto: Bergbaumuseum

Glück auf! Siegfried Rantzsch

Eine gewisse Bergbauaffinität konnte Siegfried Rantzsch, der aus der Leipziger Region stammt und erst seit 2015 zum Team des Bergbaumuseums Oelsnitz/Erzgebirge gehört, auch in früheren Jahren nicht leugnen. Der heute 63-Jährige erinnert sich an seine Kindheit und Jugend: „Während der Ferien gab es die Schülerarbeit. Ich war in einem Tagebau östlich von Leipzig tätig“, erzählt Rantzsch. In diesem habe man Ton abgebaut. „Wir Schüler mussten eine Sandader beseitigen. Steinkohle kannte ich allerdings nur vom Kohlenhaufen vorm Heizhaus an unserer Schule“, lächelt der 63-Jährige.

Wie aber kommt ein Leipziger ins Erzgebirge? „Ich habe im Tierpark Chemnitz meine Frau kennengelernt“, sagt er. Es war eine Zufallsbegegnung, die berühmte Liebe auf den ersten Blick, die aber bis heute hält. Viele Jahre hat das Paar mit seinen vier Kindern in Chemnitz gewohnt. Beruflich pendelte Rantzsch, der vor seiner Pensionierung bei der Polizei gearbeitet hat, nach Leipzig. „Das Leben in der Großstadt war nicht der Idealzustand. Wir hatten eine andere Vorstellung, wollten raus ins Gebirge, in die Natur“, verrät Rantzsch. Nachdem er in den Ruhestand gegangen ist, erfüllte er sich gemeinsam mit seiner Frau diesen Traum. Sie zogen ins erzgebirgische Oelsnitz. Damit aber nicht genug. Auf der Suche nach einem neuen interessanten Lebensinhalt ist der ehemalige Polizist auf das Bergbaumuseum gestoßen, das er schon seit vielen Jahren durch mehrere Besuche kannte. „Das Museum ist ganz in der Nähe meines neuen Wohnsitzes und als ich auf einem Aushang gelesen habe, dass Mitarbeiter gesucht werden, habe ich mich gemeldet.“ Natürlich bekam der couragierte Sachse und Wahl-Oelsnitzer seine Chance. „Zunächst bin ich sieben bis achtmal bei Führungen mitgegangen“, sagt er und ist sicher, dass man auch als Nicht-Bergmann hineinwächst. „Bei jeder Führung lernt man etwas dazu“, so Rantzsch. In der Vorbereitung seiner Tätigkeit habe er ausgiebig die Bibliothek des Museums genutzt und sehr viel gelesen. Zudem habe er etliches von Besuchern aus anderen Bergbauregionen und von ehemaligen Steinkohlenkumpeln gelernt. So ist es auch heute noch, wenn er mit den Bergkameraden der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers unterwegs ist. "Bald beginnt wieder die Zeit der traditionellen Bergparaden im Erzgebirge. Dort trifft man sich, tauscht Erinnerungen aus und ehemalige Bergleute berichten voller Stolz von ihrer Arbeit aus längst vergangenen Zeiten untertage.", gerät Rantzsch ins Schwärmen: "Solche Gespräche sind durch nichts zu ersetzen und immer wieder eine Bereicherung."

Den Schritt nach Oelsnitz habe er nie bereut. Die Großstadt fehlt ihm nicht. „Ich schätze die Gespräche über den Gartenzaun und die Einstellung der Leute. Bergmännische Festkultur und Traditionen sind hier lebendig und es ist schön wenn man daran mitgestalten darf.“

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